Mundartband Annâweech: Geglückte „Generalprobe“ in Assamstadt

Los ging es mit Scherzen und einer Geschichtslektion zum Limes. Molle präsentierte eine Karte mit dem Verlauf des Grenzwalls. Gut erkennbar die markante Einkerbung gen Süden, welche Hohenlohe ausspart. Weshalb die Römer hier zurückschreckten? Zur Antwort gab’s ein kleines Liedchen: Der „Mouschd“ ist wie ein Zaubertrank, der bärenstark macht. Ein heiterer Opener also, der nicht nur geografisch sondern auch kulturell eine Brücke schlug, weil Apfelmost auch in Assamstadt eine Geschichte hat.

Das „Zwaaschdromland“ zwischen Kocher und Jagst, vorgetragen von rappenden alten Männern. Sind das Machos oder „Frauâvêrschdehêr“? Textlich wie musikalisch ein besonderer Ohrenschmaus, die Auseinandersetzung mit den mobilen Toilettenhäuschen bei „Dixi(e)land“. In der ersten Hälfte wurden viele Lieder von der aktuellen CD vorgestellt, was die Kochertäler Musiker dazu verleitete, das Vorgetragene selbstironisch als „öffentliche Generalprobe“ zu bezeichnen. Was eine „Aluleeder“ ist? Klingt hier zwar anders, führt dennoch nicht zu Missverständnissen. Haben die Dialekte zwar ihr Eigenleben, versteht man sich unterm Strich als Nachbarn – und das nicht nur sprachlich. So kam auch der Song „Ouleechlaadêr“ bestens an.

Zu Anfangszeiten wollten sie mal an Fasching spielen, durften aber nicht. Und dann habe es eben fast 20 Jahre gedauert, plauderte Molle aus dem Nähkästchen. Sollte wieder so viel Zeit verstreichen, bis sich ein Auftritt in Assamstadt anbahnt, wollen sie vielleicht nicht mehr, feixte Boudsch. „An Fasching gebt ihr alles, danach seid ihr nur noch brav?“, wollte Letzterer die Gäste aus der Reserve locken, gestaltete sich doch die gewünschte Interaktion etwas zäh. Dafür ging das Publikum umso kräftiger mit, wo der Takt zum Mitklatschen einlud. Zudem kam anerkennend von der Bühne: „Das Schunkeln klappt ganz gut!“ Und bei bewussten Auslassungen im Refrain, wie beim Titelsong der CD „Noune!“, gaben die Gäste dann doch ein kräftiges Gesangsensemble ab. „Wir müssen an der ein oder anderen Stelle noch etwas schrauben, aber euch ist das wohl gar nicht aufgefallen“, so das selbstzufriedene Zwischenfazit der Band.

Ob in Forchtenberg oder schon zuvor in Assamstadt, gingen bei den Lagerhäusern die Lichter aus. Doch die Hommage an „Da Klaus vom Laacherhaus“ bleibt ein Klassiker. Dem „Ouhengerlesdôôch“ wird hier wie dort eifrig gefrönt. Ob Assamstadter oder Hohenloher, keiner lässt sich gerne als Schwabe bezeichnen. Da sind Frotzeleien in Richtung Landeshauptstadt eine sichere Bank. Alle wieder versöhnt, heißt es, wenn die Leibspeise „Schbatza mit Soss‘“ besungen wird. So wurde die zweite Hälfte des Konzerts größtenteils mit Gassenhauern aus dem reichen Bestand von 20 Schaffensjahren bestritten, was freilich die Stimmung im Saal weiter anheizte. Mal bluesig oder eher rockig, begeisterte Annâweech mit einer abwechslungsreichen stilistischen Bandbreite und unterhielt das Publikum zudem mit witzigen Überleitungen und Kostümierungen.

„Gibt es bei euch Leute mit solch‘ garstigen Namen?“, wollten die Mundartmusiker wissen. Dass mit dem traditionellen Schlappsautreiben haben die Hohenloher wohl noch nicht so ganz verstanden. Nichtsdestotrotz hatten die Assamstadter kein Problem damit, gemeinsam mit der Band das „Hohaloher Land“ hochleben zu lassen. Nach über zweistündiger Spielzeit wurden die kräftigen Zugaberufe erhört und mit weiteren Klassikern belohnt. Am Ende gab‘s stehenden Applaus für einen fulminanten Saisonauftakt von Annâweech. Zudem: Das Interesse an der Narrenhochburg über dem Jagsttal ist bei den Musikern aus Hohenlohe geweckt – die Sterne stehen also gut, dass es für den nächsten Auftritt in Assamstadt nicht wieder zwei Jahrzehnte Anlauf benötigt.

Molle von Annâweech auf Tuchfühlung mit dem Publikum.